Ilse Fetik: Sechste Urlaubswoche bedeutet mehr Gerechtigkeit für Frauen

Arbeitszeit muss bestimmte Lebensphasen berücksichtigen – Über Arbeitszeitverkürzung nachdenken

„Von einer Ausweitung des Jahresurlaubes auf Beschäftigtengruppen, die bisher keine Chance hatten, in den Genuss einer sechsten Urlaubswoche zu kommen, profitieren in besonderem  Maße Frauen. In Branchen wie dem Handel und dem Gesundheitsbereich mit einem großen Frauenanteil, erreicht kaum eine Beschäftigte 25 Dienstjahre bei einem Arbeitgeber, was derzeit die Bedingung für sechs Wochen Urlaub ist. Wollen wir einen Schritt in Richtung mehr Gerechtigkeit in der Arbeitswelt herstellen, ist eine Modernisierung des Urlaubsrechts  unabdingbar“, so die Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), Ilse Fetik.

Generell geht es darum, die Interessen von Frauen in der Arbeitszeitgestaltung stärker zu berücksichtigen. „Wir dürfen nicht in eine Entwicklung hinein geraten, wo der so genannten Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit alles  untergeordnet wird. Produktiv und leistungsfähig entwickelt  sich eine Volkswirtschaft dann, wenn den Menschen vermittelt wird, dass ihre persönlichen Interessen in bestimmten Lebensphasen ernst genommen werden und das praktische Folgen in der Arbeitswelt hat.

Gerade für ArbeitnehmerInnen mit Betreuungspflichten sind Tagesarbeitszeiten über das normale Ausmaß hinaus fast unmöglich. Und wenn wir wollen, dass Beschäftigte länger gesund und produktiv im Arbeitsleben bleiben und wenn wir die Beschäftgungskrise in den Griff bekommen wollen, dann müssen wir rasch über kreative Modelle  zur Verkürzung der Arbeitszeit, wie etwa die Ausdehnung des Urlaubes,  nachdenken.

Überlange Arbeitszeiten haben nicht unbedingt höhere Produktivität zur Folge. Wenn nun die Arbeitgeber darauf drängen, in Ausnahmefällen auch Arbeitszeiten bis zu zwölf Stunden bei Gleitzeit zu ermöglichen, dann braucht es verbindliche Regelungen für Zeitausgleich in ganzen Blöcken. Es darf nicht ausrechen, dass eine Betriebsvereinbarung, diese Möglichkeit anbietet, sondern es muss  eine Bedingung für die Ausdehnung des Arbeitstages sein“, so Fetik.

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